Osnabrücker Blindgänger: Da kommt noch mehr auf uns zu
Shownotes
Auf der Baustelle im Osnabrücker Lokviertel lauern offenbar deutlich mehr Bomben-Blindgänger als angenommen. Das bedeutet vermutlich in Zukunft noch mehr Evakuierungen der Anwohner. Oder gibt es da noch andere Möglichkeiten?
Fest steht: Am Sonntag, den 16.02., müssen diesmal knapp 12.000 Menschen das Evakuierungsgebiet bis 7 Uhr morgens verlassen haben, damit dann vier mögliche Blindgänger entschärft werden können. Geht es nach Jan-Peter Zuther, dem Geschäftsführer des Tiefbauunternehmens Köster, dürften es auch gerne mehr sein. Sein Wunsch deckt sich mit dem vieler Anwohner: Bitte so wenige Evakuierungstermine wie möglich. Dafür braucht es seiner Meinung nach aber zusätzliche Teams. Er drängt auf umfassendere Vorbereitungsarbeiten, damit die zuständigen Sprengmeister an einem Tag so viel wie möglich abarbeiten können. Gespräche mit der Stadt dazu laufen.
Jemand, der bereits jetzt vor Ort an den Vorbereitungsarbeiten mitwirkt und sich dabei durchaus auch in Gefahr begibt, ist Kampfmittelsondierer Klaus. Nur 20 Meter von einer Verdachtsstelle entfernt, erzählt er Stadtpodcasterin Sarah von seiner Arbeit und hat dabei u. a. erklärt, warum sein Job mit der Arbeit eines Archäologen vergleichbar ist und wie das absolut unbedingt notwendige „Vermeiden von Erschütterungen“ mit den schweren Maschinen zusammenpasst, die hier auf der Baustelle in der Nähe des Osnabrücker Hauptbahnhofs im Lokviertel rauf- und runterfahren.
Was hat dir an dieser Folge gefallen, was nicht, und was möchtest du in Zukunft hören? Schreib es Stadtpodcasterin Sarah direkt an osnabrueck@dein-stadtpodcast.de
Transkript anzeigen
00:00:00: Moin, ich grüß Dich, heute melde ich mich direkt aus dem Schlamm im Lockviertel, wo noch
00:00:05: viele alte Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg in der Erde schlummern.
00:00:09: Fast 12.000 Menschen müssen für die nächste Entschärfung am 16.
00:00:14: Februar wieder raus, aus der Sicherheitszone rund um das Gelände.
00:00:18: Die Hard Facts dazu, die hast Du letzte Folge ja schon bekommen.
00:00:22: Heute tauchen wir in die gefährliche Arbeit auf der Mega-Bau-Stelle mit den tickenden
00:00:26: Zeitbomben ein.
00:00:27: Ich begleite Kampfmittel-Sondierer Klaus Niehoff und seinen Chef Jan-Peter Zutah vom Tiefbauunternehmen
00:00:33: Köster.
00:00:34: Die bearbeiten das Gelände ja hier und haben dadurch die ein oder andere Sorgenfalte mehr.
00:00:40: Die Vielzahl von Verdachtspunkten haben wir so nicht erwartet und das erfordert von allen
00:00:46: Mitarbeitenden auf der Baustelle einen Höchstmaß an Vorsicht natürlich und arbeiten unter wirklich
00:00:52: auch gefährlichen Bedingungen.
00:00:53: Das ist das eine, das andere was Ihnen Kopfzerbrechen bereitet, das sind die vielen Evakuierungen,
00:01:00: die noch anstehen werden.
00:01:02: Denn sie haben nicht nur vier verdächtige Stellen gefunden, so viele sollen ja bei der
00:01:06: Bombenräumung am 16.
00:01:08: Februar abgearbeitet werden.
00:01:09: Bei meinem Baustellenbesuch wird deutlich, sie haben zehn Punkte mit möglichen Blindgängern
00:01:16: markiert.
00:01:17: Und was gibt's Neues, Sarah?
00:01:19: Ja, abseits der Blindgänger im Lokviertel passiert natürlich auch noch was.
00:01:23: Zum Beispiel gibt's ganz viel Engagement in Sachen Artenvielfalt in der City.
00:01:28: 120 Menschen aus Osnabrück haben gemeinsam mit der Stadt und mit der Hochschule Ideen
00:01:33: für eine Osnabrücker Biodiversitätsstrategie eingebracht.
00:01:37: Osn natürlich für mehr Artenvielfalt lautete das Motto, es war das erste Treffen für das
00:01:44: Projekt.
00:01:45: Der Platz im Museum am Schöller Berg, der war so schnell ausgebucht, dass die Stadt einen
00:01:49: Anmeldestopp verhängen musste.
00:01:50: Konkrete Ziele und Maßnahmen für den Arten-Schutz in Osnabrück sollen dann nächstes Jahr
00:01:55: feststehen und vom Stadtrat verabschiedet werden.
00:01:59: Nach dem ersten Treffen liegen jetzt schon ein paar Ideen, etwa zu Stadtbäumen und
00:02:04: Grünflächen auf dem Tisch.
00:02:06: Schnelles Internet.
00:02:07: Gibt's von Kabelanbietern in den meisten Stadtteilen, wer keinen Kabelanschluss hat?
00:02:13: Der klickt deutlich länger.
00:02:15: Der Ausbau des Glasfaser-Highspeed-Netzes soll aber bald auch alle erreicht haben.
00:02:21: Am Westerberg starten jetzt die Arbeiten und in wenigen Wochen geht es auch in greter
00:02:25: Spieh und hastelos kündigen die Stadtwerke an.
00:02:28: Mehr als 12.000 Haushalte können sich auch dort dann ans Glasfasernetz anschließen
00:02:33: lassen, entweder über die Telekom, 1&1 oder Osnatel.
00:02:37: Laut Stadtwerke garantiert Glasfaser hohe Bandbreiten.
00:02:41: Im Vergleich zu Kupferleitungen werde außerdem 17-mal weniger Energie verbraucht.
00:02:47: Ja, stell dir vor, du wirst von einer Ärztin im Krankenhaus behandelt, die gar keine ist.
00:02:54: Das ist einigen Menschen tatsächlich so passiert.
00:02:57: Die falsche Ärztin muss sich dafür jetzt vom Osnabriker Landgericht verantworten.
00:03:01: Urkundenfälschung, Amtsanmaßung und Körperverletzung werden ihr vorgeworfen, dass die Frau falsche
00:03:07: Unterlagen dabei hatte.
00:03:09: Mit gerade mal 20 Jahren viel zu jung war für eine Ärztin.
00:03:12: Das war in Mäppen- und Kuchsharfen, wo sie in den Kliniken arbeitete, gar nicht aufgefallen.
00:03:18: In Wahrheit war sie Krankenschwester-Azubine.
00:03:21: Na immerhin.
00:03:22: Kaum vorstellbar was passieren würde, wenn sich von den Sprengenmeistern des Kampfmittelräumendienstes
00:03:29: jemand als Fake entpuppen würde.
00:03:31: Boah, das ist jetzt aber wirklich nur laut gedacht.
00:03:35: Gerade das sind natürlich total echte Experten, die da am Start sind.
00:03:39: Ich will jetzt auch nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen, denn in Sachen Blindgängerentschärfungen
00:03:44: geht es gerade ganz schön ab.
00:03:46: In der Stadt.
00:03:47: Nicht nur, dass jetzt am 16.
00:03:48: Februar die nächste große Evakuierung mit knapp 12.000 Menschen ansteht.
00:03:54: Jetzt hat sich auch der Geschäftsführer von Köster Tiefbau zu Wort gemeldet.
00:03:59: Die Firma Barck hat ja das Gelände dort.
00:04:01: Das Team von Jens Peter Zutter kommt als erstes in Kontakt mit möglichen Blindgängerfundstellen.
00:04:07: Das Arbeiten auf diesem Gelände ist erstens nicht ganz ungefährlich.
00:04:10: Und zweitens ist die Bauaufgabe an sich.
00:04:12: Also die Tiefenentrümmer und Bodensanierung, die wir hier in Auftrag genommen haben, sehr
00:04:17: komplex.
00:04:18: Wir bewegen uns auf einem etwa 70 Hektar großem Gelände und schichten den gesamten oberflächlichen
00:04:23: Boden ca. 1,50 Meter stark einmal um, beproben den gesamten Boden, um ihn dann später möglichst
00:04:29: wieder einbauen zu können.
00:04:31: Dazu kommt dann eben das von Ihnen auch schon angesprochene Problemen mit Verdachtspunkten
00:04:36: auf Kampfmittel, also auf Abrufmonition aus dem Zweiten Weltkrieg, die wir hier in einem
00:04:42: deutlich größeren Maße vorgefunden haben, als man das ursprünglich annehmen konnte.
00:04:47: Und das erfordert von allen Mitarbeitenden auf der Baustelle ein Höchstmaß an Vorsicht
00:04:51: natürlich.
00:04:52: Und viele der Mitarbeiter, insbesondere von unserem Nachunternehmer, dem Kampfmittelsondierungsunternehmen,
00:04:58: erfordert das auch Arbeiten unter wirklich auch gefährlichen Bedingungen.
00:05:02: Inwiefern haben Sie damit gerechnet, was hier noch alles im Boden liegt?
00:05:06: Also wie waren da die Vorinformationen, wie war die Verfügbarkeit vielleicht auch von
00:05:10: Informationen im Vorfeld?
00:05:12: Wussten Sie, worauf Sie sich da einlassen?
00:05:15: Selbstverständlich wussten wir im Wesentlichen, worauf wir uns einlassen.
00:05:18: Ich sage das ja eben schon, die Vielzahl von Verdachtspunkten auf Abrufmonition haben
00:05:24: wir so nicht erwartet.
00:05:25: Das ist aber etwas, wo wir kein schlechtes Gefühl dabei haben, weil diese geringere
00:05:32: Erwartung basierte darauf, dass auf diesem Gelände schon ganz viele Sondierungen stattgefunden
00:05:37: haben.
00:05:38: Im früheren Zeiten, ich glaube, unser Kollege war schon 18 Mal auf diesem Gelände, tätig
00:05:43: auch als Bombensondierer und trotzdem haben wir noch jetzt mittlerweile schon 17 Verdachtspunkte
00:05:48: gefunden.
00:05:49: Das ist viel, das ist einfach sehr viel.
00:05:51: Aber wir haben über alles andere natürlich in Abstimmung mit dem Auftrag Geber allerbeste
00:05:56: Informationen gehabt.
00:05:57: Das sind eher die Fundstellen, die jetzt extrem schwierig sind, weil in der Nähe zu arbeiten
00:06:02: ist eben und nur unter größter Vorsicht möglich.
00:06:04: Wir können also dynamische Verdichtungen nicht machen.
00:06:06: Wir müssten eigentlich schon längst, Sie sehen da vorne.
00:06:09: Zuhörer können das natürlich nicht sehen, aber es sind schon Baustraßen wieder angelegt,
00:06:13: die schon für zukünftige Straßenvorläufe wesentlich sind.
00:06:16: Und mittendrin ist noch ein Verdachtspunkt, der auch erst in einigen Wochen wird geräumt
00:06:21: werden können.
00:06:22: Das heißt also, wir können den gesamten Prozess auf der Baustelle nicht so effizient gestalten,
00:06:27: wie wir das mal ursprünglich geplant haben, weil wir einfach den Kreislauf des Materials
00:06:32: also ausheben, auf einen Bereitstellungsplatz legen, beproben, nach Beprobung und nach entsprechender
00:06:39: Analyse dann wieder einbauen.
00:06:40: Der wird permanent wieder unterbrochen, weil wir eben vorsichtig sein müssen und weil
00:06:44: uns auch wesentliche Flächen wegen noch vorhandener Verdachtspunkte gar nicht zur Verfügung stehen
00:06:50: zum Wiedereinbau.
00:06:51: Wie nah können denn im Moment die Arbeiter da hinten mit den riesigen Baumaschinen
00:06:57: ran an die Blindgänge, an die Verdachtsstellen?
00:07:01: Wir können schon nah an die Verdachtsstellen ran.
00:07:03: Das haben wir auch gemacht, während wir die freigelegt haben.
00:07:06: Es ist ja immer ein geschützter Bagger im Einsatz und ein Spezialist, der den Bagger
00:07:10: Aushub begleitet, der vor der Bagger Schaufel steht und genau beobachtet, was passiert.
00:07:15: Aber natürlich können wir nah mit Maschinen ran.
00:07:17: Wir müssen nur Erschütterungen vermeiden, die dazu führen könnten, dass irgendwo dann
00:07:22: doch nochmal eine Dettonation entsteht.
00:07:23: Kriegen die Menschen, die jetzt so nah ran müssen, spezielle Zulagen?
00:07:27: Wie gefährlich ist dieser Job da?
00:07:29: Im Zweifelsfall ist er sehr gefährlich.
00:07:31: Im Wesentlichen ist es Baggerarbeiten begleiten und schauen, was passiert da, was sehen wir.
00:07:37: Wenn der Bagger den Boden aufschließt, dann kann ich entweder Spuren sehen oder nicht.
00:07:41: Aber im Zweifelsfall ist der Job sehr gefährlich.
00:07:43: So wie im Dezember als meine zum Glück nicht mehr scharfer Blindgänger dann in der Bagger
00:07:47: Schaufel war, ne?
00:07:48: Und wenn das ein scharfes Projektil ist oder eine Bombe, die tatsächlich noch detonationsfähig
00:07:53: ist, dann kann das auch zu einer Katastrophe führen, was wir alle nicht hoffen.
00:07:58: Und Gottes Willen bitte nicht.
00:08:00: Die Mitarbeiter auf dieser Fläche sind grundsätzlich permanent einer gewissen Gefahr ausgesetzt,
00:08:04: genauso natürlich wie die Kollegen vom Kampfmittel Bergedienst, die dann letztendlich auch den
00:08:10: Blindgänger entschärfen müssen.
00:08:14: Alle Männer setzen da auch ihr Leib und Leben aufs Spiel.
00:08:18: Wie beurteilen Sie dieses Projekt im Vergleich zu anderen?
00:08:21: Ich meine, Köster macht ja super viele Großprojekte.
00:08:24: Ist ja nicht außergewöhnlich, möchte man meinen oder vielleicht doch?
00:08:28: Von der Größe her sicherlich nicht.
00:08:29: Aber die Komplexität und auch die Aufgabe an sich ist schon sehr außergewöhnlich unter
00:08:34: anderem eben auch die Vielzahl der Störfällig.
00:08:37: Das ist schon etwas, was wir auf anderen Baustellen natürlich nicht antreffen.
00:08:40: Und das führt dazu, dass der Bauablauf empfindlich gestört ist.
00:08:44: Wobei das nicht unser Hauptaugenmerk ist.
00:08:46: Bei allem, indem wir mal an den Finger heben, geht es uns eher um die Sicherheit unserer
00:08:52: Mitarbeiter auf der Baustelle.
00:08:54: Und es geht uns auch um die Sicherheit und auch um gute Lebensbedingungen für die Menschen,
00:08:59: die um uns herum wohnen.
00:09:00: Wie nah die Arbeit neben den möglichen Blindgängern weiterläuft, ja davon kann ich mich bei
00:09:05: einem Gang ins Bauffeld selbst überzeugen.
00:09:08: Kampfmittelsondierer Klaus Niehoff nimmt mich mit.
00:09:11: Über eine Baustraße geht es vorbei an fettem Treckern und riesigen Baggern mit der Sonde
00:09:17: über der Schulter.
00:09:18: Klaus strotzt nur so vor Wissen über Kriegshinterlassenschaften im Boden.
00:09:22: Seit rund 30 Jahren beschäftigt er sich schon damit.
00:09:25: Auch den Boden des Osnabrika-Lockviertels kennt er durch die Piepsgeräusche der Sonde
00:09:31: und die ganzen Messwerte wie seine eigene Westentasche.
00:09:34: So, wir stehen jetzt hier mitten auf der Baustelle.
00:09:38: Ich bin ausgestattet mit einem Sicherheitshelm, Sicherheitsschuhen und einer natürlich sehr
00:09:44: leuchtend neongelben Warnweste.
00:09:46: Und Klaus, wir sind nicht weit weg von einem Verdachtspunkt.
00:09:52: Was würdest du einschätzen, wie weit stehen wir weg?
00:09:54: Es ist hier eingezäunt mit Bauzaun und auch schon entsprechend mit Sprühfarbe markiert
00:09:59: sich.
00:10:00: Gerade wie weit stehen wir hier weg und wie schätzt du jetzt hier die Lage ein?
00:10:03: Mir ist schon ein bisschen mulmig gerade.
00:10:05: Ich würde sagen, es wird zu einer Gewohnheit eigentlich entfernt.
00:10:10: 20 Meter näher würden wir auch gar nicht groß rangehen. Erschütterungsfrei muss e
00:10:15: gearbeitet werden. Das ist im Moment natürlich noch ein Verdachtspunkt. Ein Verdachtspoment
00:10:21: stützt sich aber auf Angaben einer Oberflächen und einer Tiefenordnung. Aus der
00:10:27: Oberflächenordnung kriegt man schon ein Gefühl dafür, was da equivalent für ein
00:10:32: Körper liegen könnte, ein Stahlkörper. Und aus der Tiefenordnung kriegt man nur
00:10:36: Informationen über die Lage Tiefe und dann gibt es schon recht eindeutig eine
00:10:41: Möglichkeit zu sagen, das könnte eine 5 Centenarbeumme sein. Das sind schon
00:10:45: erhöhte Gefahrenmomente, deswegen ist es auch abgezeugt. Im Nahbereich auch gar keine
00:10:49: Betretung mehr möglich. Du sagst es gerade keine Erschütterung, währenddessen ist
00:10:52: da so ein riesiger Bagger mit einem riesigen Anhänger hinter uns hergezuckelt.
00:10:56: Also jetzt so ich als Laie würde jetzt schon von irgendwie von der Erschütterung
00:11:01: ausgehen, wenn hier so schwere Maschinen lang zuckeln 15 bis 20 Meter entfernt.
00:11:05: Was meinst du dann genau mit keine Erschütterung bitte in der Nähe der
00:11:10: möglichen Fundstelle? Ich würde das mal so als weiche Wellen, als weiche
00:11:14: Erschütterung würde ich das mal sehen, was zum Beispiel absolut nicht erlaubt ist.
00:11:17: Das ist dynamisches Walzen, also richtig mit Walzen, die richtig mit einem
00:11:22: Unwuchtgewicht richtig brutale Erschütterung quasi in den Boden reinbringen,
00:11:28: ja ganz bewusst, um den Boden zu verdichten. Das ist absolut tabu.
00:11:31: Deswegen diese gewaltigste Baustraße, die jetzt ist, die wird nur sozusagen sanft
00:11:35: überrollt. Das kommt dort an der Stelle als weiche Welle an.
00:11:39: Keine harte Welle, die zu einer richtigen Erschütterung.
00:11:42: Erschütterung, Stoßreiserschütterung, sowas auf keinen Fall.
00:11:45: Du sondierst diese Kampfmittel mit einer so einer Sonde wie der, die du gerade hier
00:11:52: in der Hand hast. Wie sind da deine Erfahrungen jetzt vielleicht auch hier
00:11:57: ganz konkret auf der Lockviertelbaustelle?
00:12:00: Das Sondieren an sich war erst möglich, nachdem eine Oberbodenschicht, also es
00:12:05: sind mehrere Schichten entfernt wurden. Das ist ab Tiefen von 130 bis 150
00:12:11: herrscht ein Horizont, den man dedektieren kann. Das ist ja in Osnabrück,
00:12:15: sind in den letzten 20, 25 Jahren weit über 200 Blindgänger gefunden worden.
00:12:19: Man kennt in den Regionen eigentlich auch die Typen. Ergo weiß man beim
00:12:23: dedektieren, das könnte der Typ sein, das könnte der Typ sein.
00:12:26: Dann ist man schon ein bisschen vorsichtiger. Wenn die sondiertechnischen
00:12:29: Bedingungen geschaffen werden bauttechnisch, dann ist das eigentlich
00:12:32: ein schönes Arbeiten. Die Paarressstörungen, die kleiner sind,
00:12:35: die geht man dann ganz vorsichtig an und in der Regel sind auch kleinere Messungen.
00:12:39: Dann haben wir zum Beispiel Brandbaum gefunden, aber sonst im Grunde
00:12:43: waren die Messungen eigentlich eindeutig anzusprechen bei der ersten
00:12:45: Evokuierung am 17.11., dass man den Gefühl dafür heute, wenn es
00:12:50: ein Blindgänger ist, dann ist es die und die Größe. Es gibt aber immer die
00:12:52: Chance, dass auch ein ähnlicher Körper, die keine Sprengkörper sind,
00:12:56: produzieren für uns genau solche Messmomente.
00:12:59: Woran merkst du das denn dann konkret?
00:13:01: Ob welchen Punkt kommt dann so ein Gefühl, so ein Gespür dafür,
00:13:04: dass du über die Jahre jetzt als Kampfmittel Sondierer angesammelt hast?
00:13:08: Das ist schwer zu beschreiben. Das ist bei mir, ich mach das schon sehr lange.
00:13:12: Ich nenne das immer so wie so ein Schubladendenken. Ich habe so für die,
00:13:15: hier in der Gegend hier im Lokviertel kommen eigentlich nur,
00:13:18: also Luftminen werden wir hier wahrscheinlich nicht finden, kommen eigentlich nur drei
00:13:22: Typen in Frage, die auch am 17.11. jetzt gefunden wurden.
00:13:25: Und das sind für mich diese Schubladen. Und wenn ich gewisse Messungen
00:13:28: überlaufe, erst mal die Feldgröße und die Intensität der Messung,
00:13:31: dann geht bei mir gedanklich quasi eine Schublade auf und dann sagt mein Gehirn,
00:13:35: ah, das könnte vielleicht eine Hundertter sein. Und dann ist man draußen
00:13:38: fort, wenn man so eine Messung fällt und das sozusagen in diesen,
00:13:41: in diesen, in den Spektrum mit rein fällt, dann markiert man erst mal die Stelle
00:13:45: und untersucht die dann ganz konkret.
00:13:46: Und dann stehst du auf der Bombe?
00:13:48: Nee, das ist ja noch lange nicht klar. Es gibt ja auch, ich habe ja auch nicht
00:13:51: so eine Trefferquote, dass jede vergleichbare Messung immer gleich
00:13:54: ein zwingend Blindgänger wird. Wir hatten zum Beispiel auch gebogene Stahlschwellen,
00:13:59: hatten wir auch irgendwie. Das gibt es auch. Aber es gibt hier dann auch noch
00:14:03: die Möglichkeit auch im Boden, wenn der Boden abgezogen wurde,
00:14:08: Einschlagssignaturen zu erkennen. Und zwar, wenn der Blindgänger am Boden eingedrungen ist,
00:14:13: hier bei diesen unterschiedlich gefährden Seinsschichten.
00:14:15: Ich denke mir, dass jetzt gerade so ein bisschen so vor wie der Arbeit von einem Archäologen.
00:14:18: Exakt kann man, wir haben auch hier Archäologen teilweise dabei, ist fast das Gleiche.
00:14:23: Es ist nicht nur das Reine-Dediktieren, sondern es ist auch nach dem Motto Augen auf,
00:14:27: Spuren schauen. Ich hatte zum Beispiel an zwei Bomben, das waren die, die mit der Wasserhaltung
00:14:32: konnte ich Einschusskanäle sehen, die mit Gleisschotter gefüllt waren.
00:14:35: Das war für mich das Indiz, das war wie die Visitenkarte.
00:14:38: Wie sah das aus? Kannst du mir das Bild beschreiben?
00:14:40: Kreis rund, an beiden Stellen. Nach unten hin wurde es immer weniger.
00:14:46: Hat der Blindgänger damals stellte sich dann hinter dem Tag der Berg und Entschärfung
00:14:51: dann als Blindgänger raus. Die haben im Einschusskanal quasi diesen Gleisschotter mit runtergedrückt.
00:14:57: Wir legen die ja nicht frei, die Blindgänger.
00:14:59: Genau, da wollte ich jetzt gerade drauf hinaus. Wo endet eure Arbeit?
00:15:02: Wo fängt die Arbeit der Sprengmeister vom Kampf mit Räumdienst an?
00:15:07: Genau. Zum Beispiel für mich war dann der letzte Schritt damals vorsichtig.
00:15:11: Da gibt es gewisse Stichsonden, das sind Edelsteilsonden, Stäbe, die so 10, 12 mm Durchmesser haben,
00:15:17: vorne angespitzt. Und in dem Einschusskanal ist es in der Regel so, dass der Boden auch gekörnt.
00:15:22: Der ist feiner, der ist ja durchschlagen worden.
00:15:25: Und in dem Kanal kann man sich vorsichtig fortbewegen.
00:15:28: Ich sage mal, nee, das ist...
00:15:30: Ich verziehe jetzt schon den Mund und mache große Augen.
00:15:33: In dem Bomben-Einschlagkanal kann man sich vorsichtig vorbewegen.
00:15:37: Wenn du sowas sagst, da ist für mich, der läuft zu mir kalt in den Rücken rot.
00:15:41: Das macht man ganz vorsichtig. Das ist ein ganz vorsichtiges...
00:15:43: Inseitlub.
00:15:45: Quasi Inseitlub, ganz genau.
00:15:46: Und dann hat man als letztes Indiz, kriegt man dann im Grunde genommen,
00:15:49: man hat aus der Ohrfläche eine Dutzung,
00:15:51: dann wegen des Gefühl, wenn man die ist noch 80 cm entfernt, dann sticht man durch.
00:15:55: Und wenn man dann auch diese Lage tiefer ansticht, dann ist für uns im Grunde wie Arbeit getan,
00:15:59: dann melden wir dann dem Räumdienst Achtung, Messung ungefähr die und die Größe.
00:16:04: Das könnte sein, so viel Zentimeter überdeckt, dann ist vorbei.
00:16:09: Für die Kampfmittel Sondierer und die Mitarbeiter der Firma Köster.
00:16:12: Klar, dann gehen die Sprengermeister mit ihren Teams nur noch rein,
00:16:16: nur sie haben dann dort noch das Sagen und sie sind es auch, die im Vorfeld bestimmen,
00:16:21: welche Verdachtspunkte sie angehen und wie viele.
00:16:25: Zu wenig, findet Geschäftsführer Zuter.
00:16:27: Er hat sich dazu entschlossen, man ins den Finger zu heben, wie er eben schon angedeutet hat.
00:16:32: Unter anderem ist es unser Wunsch, möglichst wenig Evakuierungstermine zu provozieren,
00:16:38: dadurch dass wir versuchen, bei einem Evakuierungstermin mit Einsatz möglichst vieler Teams
00:16:43: oder anderer geeigneter Maßnahmen so viele Verdachtspunkte ansprechen zu können
00:16:47: und bei einem Evakuierungstermin abräumen zu können,
00:16:50: damit wir den Menschen der Stadt Osnabrück nicht zu viele Entschärfungstermine
00:16:55: und damit verbunden großflächige Evakuierung zumuten müssen.
00:16:58: Vier mögliche Blindgänger sollen eben am kommenden Wochenende entschärft werden.
00:17:03: Sie sagen, vielleicht wäre es auch möglich, eben die doppelte Anzahl
00:17:07: direkt zu bearbeiten. Was sind da konkret Ihre konstruktiven Vorschläge?
00:17:11: Für zukünftige Räumungstermine wünsche ich mir, dass wir jede Möglichkeit in Erwägung ziehen,
00:17:17: mit allen beteiligten Parteien auch intensiv darüber sprechen, wie das gelingen kann,
00:17:21: dass wir möglichst mehrere Entschärfungsteams auf diese Fläche bringen.
00:17:26: Ich hoffe, dass das auch in erweiterte Amtshilfe über die Bundesländergrenzen hinweg möglich ist.
00:17:31: Heißt also, Teams aus anderen Bundesländern anfordern ganz einfach Sprengermeister,
00:17:36: und das sind ja auch Munitionsexplatten.
00:17:38: Richtig, dass wir also diesen Bereich, wo wir uns gerade befinden, der eher Innenstadt naheliegt,
00:17:42: dass der dann auch komplett geräumt werden kann, wenn wir den Bereich oberflächlich eben durchgearbeitet haben
00:17:47: und mit entsprechenden Gerätschaften tiefen sondiert haben.
00:17:50: Und darauf dräng ich auch sehr stark, dass wir in Zukunft in Zusammenarbeit mit dem Kampf mit Uebergedienst
00:17:57: alles so gut vorbereiten, dass die Sprengmeister, die das können und dürfen,
00:18:01: auch so viel wie möglich an einem Tarap arbeiten und sich nicht uns mal allgemeinverständlich auszudrücken,
00:18:07: zunächst mal mit dem Freilägen beschäftigen müssen, sondern wir können so nahe wie das geht
00:18:12: und wie wir es dürfen kompetenzmäßig, können wir alles so vorbereiten, dass der Kampf mit Uebergedienst optimal arbeiten kann.
00:18:18: Das ist nicht nur unser Angebot, sondern ist unser dringender Wunsch, dass es so geschehen sollte.
00:18:22: Sie sind da in Gesprächen auch mit Stadt- und Ordnungsamt bereits?
00:18:26: Das sind wir. Die Gespräche werden gut und konstruktiv geführt
00:18:29: und wir hoffen mal, dass wir das auch in Zukunft so organisiert bekommen, dass es so wenig Dürungen wie möglich gibt.
00:18:34: Aber insbesondere habe ich dabei wirklich die Bewohner der Stadt aus einem Augenblick.
00:18:38: Zutat befürchtet, dass die Leute irgendwann die Geduld für so große Evakuierungen verlieren, sagt der Emyer.
00:18:43: Dabei schließt er sich selber auch wohl nicht ganz aus.
00:18:46: Die Stadt ist jetzt in einer, ja sagen wir mal, etwas unangenehmen Lage,
00:18:51: denn sie hatte ja bislang nie die Gesamtzahl der vermutlich zu entschärfenden Blindgänger auf der Lockviertelbaustelle kommuniziert.
00:19:00: Ein heißes Thema, also, dass Osnabrück auf jeden Fall noch länger beschäftigen wird.
00:19:05: So, und jetzt zum Schluss noch ein paar leichte, geschmeidigere Infos für dich.
00:19:12: Die Kannevalisten, die machen sich ja startklar für die Höhepunkte ihrer Sessionen am 21. Februar.
00:19:19: Da steigt seit langem mal wieder eine Herrensitzung in Osnagen.
00:19:22: Auer gesagt, im Orlando, da gab es ja so eine Tatsache, ob das noch zeitgemäß ist.
00:19:27: Dabei ging es vor allen Dingen um die leicht begleiteten Ladies.
00:19:30: Warm und bunt angezogen ziehen dann am 27. Februar die Ladies bei Weiberfastnacht durch die City
00:19:38: und schneiden vermutlich Schnürsenkel und Krawatten ab, falls man das noch macht.
00:19:42: Am 1. März ruft dann der Ossensamstag alle nochmal verkleidet zusammen in die City,
00:19:48: bis zum 15. Februar können sich die Gruppen da noch anmelden.
00:19:51: Am 2. März geht es dann bei unseren Nachbarn in Georgsmarien-Hütte so ein bisschen gemütlicher zu.
00:19:57: Beim Kannevalsumzug nach fünf Jahren gibt es den Hütten-Sondag dort mal wieder,
00:20:02: ist besonders bei Familien voll beliebt.
00:20:04: Oder muss ich direkt an die 9-Skelett-Kostübe meiner Söhne denken.
00:20:09: Oh, schmerzhaft schön die Dinger.
00:20:12: Ja, und damit tschau tschau, lass mir gerne Feedback da,
00:20:16: du erreichst mich wie immer über ausnerbrück@dein-stadt-Podcast.de
00:20:20: Deine Sarah.
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