Geborgenheit gesucht! Kinder brauchen Pflegeeltern in Osna
Shownotes
Hey du! Osnabrücker Kinder brauchen Hilfe. Zehn sind es im Moment, die im Heim auf eine dauerhafte Pflegefamilie warten. Aber nicht auf irgendeine, sondern auf eine mit pädagogischem Hintergrund, weil sie so ein schweres Paket mit schlimmen Erfahrungen mit sich rumtragen, dass sie besonders begleitet werden müssen.
Und genau diese Familien suchen Gesine und Nina vom Büro 49 – mit voller Hingabe und Geduld. Gemeinsam haben wir darüber gesprochen, wie erfüllend, aber auch herausfordernd ihre tägliche Arbeit ist. Die Geschichten, die sie geteilt haben, waren wirklich brutal (und) herzergreifend - oft auch mit Happy End.
Mehr Infos für potenzielle Pflegefamilien gibt's beim Büro 49. Ich freue mich auf dein Feedback und deine Eindrücke, sei es Lob oder Kritik, per Kommentar oder Mail an osnabrueck@dein-stadtpodcast.de!
Transkript anzeigen
00:00:00: Moin, ich grüße dich.
00:00:01: Schön, dass wir uns hier mal wieder zusammenschalten.
00:00:03: Ich hab für diese Woche mit Gesine Riepenhoff-Gensenk und Nina Beckmann vom Büro n.a.
00:00:09: gesprochen.
00:00:09: Die beiden sind Pädagoginnen und im Auftrag des Jugendamts immer auf der Suche nach Pflegefamilien in und um Osnabrück.
00:00:18: Sie suchen nicht irgendwelche, sondern die, die auch den richtig schweren Rucksack der Pflegekinder tragen können.
00:00:26: Es
00:00:26: geht oft um traumatische Erfahrungen von Kindern, ganz massive Vernachlässigungen, Gewalterfahr- bis hin zu sexuellen Übergriffen.
00:00:35: Gesine arbeitet dabei nicht nur mit Pflegefamilien, sie und ihr Mann sind selbst
00:00:40: eine.
00:00:40: Wir standen im Badezimmer vor dem Spiegel zum Zähne putzen.
00:00:44: Ich wollte oben aus dem Spiegelschrank was rausholen und sie zuckte zusammen.
00:00:50: Und dann wusste ich... Ah, ich hatte meine Hand erhoben und sie hatte Angst, dass sie geschlagen wird.
00:00:56: Aha, sie hat Schläge erlebt, sie ist geschlagen worden.
00:01:00: Wie sie mit ihren Erfahrungen andere motiviert, das hast du gleich.
00:01:04: Und was gibt's neu, Sarah?
00:01:06: Nach dem Unfall auf der Amatini-Straße in Osnabrück diese Woche hat die Polizei die fünfzehnjährige Beifahrerin gelobt.
00:01:13: Dank ihr krachte der Wagen gegen eine Ampel.
00:01:16: Ja, die Schülerin griff geistesgegenwärtig in Steuer, als ihr Papa unmächtig wurde.
00:01:20: Der fifty-sech-jährige kam ins Krankenhaus und ist inzwischen wieder bei Bewusstsein.
00:01:24: Die Tochter blieb unverletzt, erlitt aber einen großen Schreck.
00:01:27: Laut Polizei wäre der Unfall ohne ihr eingreifen wohl deutlich schlimmer ausgegangen.
00:01:34: Wenn mehr als vierzehntausend Menschen in Osnabrück am neunten November wieder von der Bombenräumung betroffen sind, will die Stadt den Tag für die Menschen etwas leichter machen.
00:01:43: Dafür sucht sie kreative Angebote von Basteln bis Bewegungen.
00:01:47: Wer anderen die Wartezeit verkürzen will, der kann sich bei der freiwilligen Agentur der Stadt melden.
00:01:53: Mit glitzandem Fledermäusen und bunten Kürbissen fällt der Startschuss für den Herbstjahrmarkt in Osnabrück.
00:02:00: Thema für das große Eröffnungsfeuerwerk natürlich Halloween.
00:02:04: Deshalb
00:02:05: fliegen nicht nur Fledermäuse und Kürbisse über den Osnabrücker nach
00:02:08: Timmel.
00:02:08: Auch blutrote Herzen mischen sich zwischen silbernen Palmen fürs große Eröffnungsfeuerwerk.
00:02:13: Um fünfzehn Uhr fällt der Startschuss für die Karussells.
00:02:16: In der ersten halben Stunde sind alle Fahrgeschäfte kostenlos.
00:02:19: Bis zum
00:02:19: neunten November könnt ihr euch an der Halle Gartlage eine Runde durchschütten lassen oder euch einfach gebrannte Mandeln oder Zuckerwatte gönnen.
00:02:26: Kai von Hefen, Regionalredaktion.
00:02:28: Ich dachte, die Kollegen dürfen auch mal ran hier bei den Nachrichten.
00:02:31: Vielen Dank an Kai und Leonie.
00:02:36: Jeder Tag in einer Pflegefamilie zählt für das Kind.
00:02:39: Und wir gehen direkt rein.
00:02:40: Aus ner Brück braucht mehr Pflegefamilien.
00:02:43: Ich hab's eben schon angerissen, nicht irgendwelche Pflegefamilien, sondern die, die sich... pädagogisch auch noch wirklich richtig gut auskennen.
00:02:52: Zehn Kinder warten hier bei uns im Moment auf ein richtiges Zuhause.
00:02:57: Gesine und Nina, hallo schön, dass ihr jetzt hier bei mir seid.
00:03:01: Wir sprechen heute darüber, dass wir in Osnabrück dringend mehr Pflegefamilien brauchen.
00:03:06: Mehr Menschen, die bereit sind.
00:03:08: ein Pflegekind aufzunehmen, weil dieses Kind nicht länger in der Familie bleiben kann, aus welchen Gründen auch immer.
00:03:15: Das Büro NIV nimmt da jetzt so eine spezielle Stellung ein und ist vielleicht so eine Schnittstelle auch, kann man sagen.
00:03:22: Es ist nicht Jugendamt, keine Behörde.
00:03:25: Es ist schon ein Unternehmen.
00:03:27: Erklärt mir bitte einmal kurz vorweg genau, welche Aufgabe habt ihr vom Büro NIV da?
00:03:34: Also Büro NIV ist ein freier Träger der Jugendhilfe.
00:03:38: Wir sind in verschiedenen Bereichen tätig, ursprünglich kam die der Gründungsgedanke über die Arbeit mit straffälligen Jugendlichen und daraus haben sich ganz viele Arbeitsfelder entwickelt.
00:03:50: Unter anderem die ambulanten Hilfen der Erziehung, also wenn Familien Probleme haben und an Hilfe brauchen, können sie sich ans Jugendamt wenden und das Jugendamt fragt uns dann an.
00:04:02: Oder wir sind in ganz vielen Schulen auch tätig mit Sozialkompetenztraining zur Stärkung der Klassengemeinschaften.
00:04:09: Wir arbeiten immer noch mit straffälligen Jugendlichen und wir arbeiten unter anderem auch mit Pflegefamilien.
00:04:15: und Pflegefamilien haben wir in verschiedener Form.
00:04:21: Also zum einen
00:04:22: haben
00:04:23: wir einen kleinen Teil der sogenannten sonderpädagogischen Pflegefamilien, wo die Pflegeeltern eine pädagogische Ausbildung haben.
00:04:30: Aber wir betreuen auch manchmal im Auftrag des Jugendamtes Familien, wo Pflegefamilien, in denen es zu Krisen kommt und die dann Unterstützung brauchen.
00:04:39: Und dann gehen wir auf Wunsch des Jugendamtes auch dann in die Familien und unterstützen die Kinder.
00:04:45: oder die älter.
00:04:46: Welche Aufgaben übernimmt ihr beide dann da jetzt konkret?
00:04:49: Vielleicht auch du?
00:04:50: jetzt erstmal nochmal Nina.
00:04:52: Welche Aufgaben habt ihr?
00:04:53: Worum kümmert ihr euch in eurem alltäglichen Arbeitsleben?
00:04:56: In
00:04:57: unserem alltäglichen Arbeitsbedingungen, kann man das unter die Großüberschrift stellen, Begleitung und Betreuung der Familien.
00:05:04: Das heißt, wir sind in regelmäßigen Terminen vor Ort,
00:05:07: schauen,
00:05:08: wie ist die Situation, können wir irgendwas tun, braucht es zusätzlich irgendwelche Hilfe zum Beispiel in therapeutischer Form, wo wir uns dann mit darum kümmern, sich auf die Suche zu machen, sich auf den Weg zu machen, auch um die Pflegeeltern ein Stück weit zu entlasten.
00:05:26: in Krisen sind wir deutlich häufiger vor Ort auch zur Beratung.
00:05:30: Ab einem gewissen Alter der Kinder oder dann schon Jugendlichen ist es meist sinnvoll auch Termin im Eins zu Eins Kontakt mit den Kindern zu machen, weil es eben Ja, so ab Beginn der Pubertät ganz schwierig ist für die Jugendlichen in Pflegefamilien so Thema Identitätsfindung, weil sie eben in einem Dreieck leben zwischen ihrer leiblichen Familie, der Pflegefamilie, wo es dann häufig zu Schwierigkeiten und Herausforderungen in Situationen kommen.
00:05:57: Und da sind wir einfach da und begleiten die Familien durch jede Krise.
00:06:02: Genau, auch immer in enger Zusammenarbeit mit dem Jugendamt.
00:06:05: Dann füllt ihr also quasi auch eine Lücke, die das Jugendamt vielleicht gar nicht ... ausfüllen kann, weil es gar nicht genug Mitarbeitende gibt, die ja dann auch euren Job übernehmen können und wirklich in die Familien gehen, eng dran sind, das Geschehen nah beobachten, sofort reagieren können, falls es Probleme gibt und sofort unterstützen zur Seite stehen können.
00:06:27: Ihr seid, habt alle einen sozialpädagogischen Hintergrund?
00:06:30: Genau.
00:06:31: Seid da vielleicht sogar an manchen Stellen näher dran als das Jugendamt?
00:06:35: Ja, so kann man das gut beschreiben.
00:06:37: Wir sind einfach noch mal näher dran, häufiger vor Ort.
00:06:42: Wir erfüllen einfach eine andere Aufgabe als das Jugendamt.
00:06:45: Das ist einfach eine andere Zuständigkeit in dem Sinne.
00:06:49: Das Jugendamt hat dann mehr den Teil der Hilfeplanung.
00:06:53: Ja, so kann man das
00:06:54: sagen.
00:06:54: Und ihr seid nah dran an der Umsetzung, an der Wirklichkeit.
00:06:58: Wie geht es die Familien?
00:06:59: Wie geht es den Kindern?
00:07:00: Was können wir tun, damit das möglichst gut klappt?
00:07:02: Ganz genau.
00:07:03: Und das Jugendamt würde sich manchmal wünschen, diese Hilfe aus Erwohr übernehmen zu können in den einigen Familien.
00:07:09: Aber das ist eben auch einfach eine Frage dann der Kapazitäten.
00:07:13: Also das betrifft zumindest die Familien, die direkt auch so beim Jugendamt angekoppelt sind.
00:07:18: Und dann gibt es eben diese sogenannten trägergeführten Familien wie unsere sonderpädagogischen Pflegefamilien, die wir selber suchen, die wir auch vorbereiten auf die Tätigkeit und wo wir zusammen mit dem Jugendamt dann auch die Kinder vermitteln und die quasi von Anfang an bis die Kinder im besten Falle erwachsen sind und ganz normal ausziehen, dann auch begleiten.
00:07:41: Das sind noch mal unterschiedliche Formen.
00:07:43: Sonderpädagogische Pflegefamilien, die haben dann, lass es mich, einfach formulieren, noch eine härtere Aufgabe.
00:07:50: Die müssen
00:07:51: noch,
00:07:51: also vielleicht einfach ein Kind, was noch ein ganz anderes Paket noch mal mitbringt aus seiner Art.
00:08:00: ganz genau, ganz genau.
00:08:01: Das geht oft um traumatische Erfahrungen von Kindern, ganz massive Vernachlässigung, Gewalterfahrung bis hin zu sexuellen Übergriffen.
00:08:11: Die ganze Bandbreite kann da eigentlich dahinter stecken.
00:08:14: Und wenn die Kinder dann auch schon ein paar ein bisschen älter sind, dann wird oft nach pädagogisch qualifizierten Familien gesucht, einfach in der Hoffnung, dass die einfach das Know-how mitbringen, um die Kinder dann auch im Leben in ihrem Alltag.
00:08:28: zu begleiten, damit das Pflegeverhältnis nicht gleich wieder auseinanderbricht.
00:08:32: Die traumatischen Erfahrungen, die sie gerade angesprochen hat, führen einfach häufig dazu, dass die Kinder eben auch, wenn diese Erfahrung ganz, ganz früh stattgefunden hat, ein Leben lang gewisse Verhaltensweisen zeigen oder anders reagieren, als es vielleicht normale Kinder tun, wo wir einfach hoffen, dass dann Pflegeeltern eben mit
00:08:52: einem
00:08:53: eigenen pädagogischen Background das einfach noch mal viel besser auffangen können.
00:08:57: Ja, da braucht man einen entsprechenden Werkzeugkasten, auf dem man dann einfach selbst zurückgreifen kann, damit man für diese... Situationen, die dann aufkommen können, auch gewappnet ist als Pflegefamilie.
00:09:05: Kann ich mir gut vorstellen.
00:09:07: Nun bist du ja selber Pflege-Mama-Gesine.
00:09:11: Deine Tochter ist mittlerweile Erwachsen, deine Pflegetochter.
00:09:14: Aber wie sind da so deine eigenen Erfahrungen?
00:09:16: Und vor allen Dingen, wie kannst du deine eigenen Erfahrungen dann vielleicht auch ... Dafür benutzen noch andere Menschen für die Pflegefamilie zu begeistern?
00:09:25: Ich weiß noch gut, wie meine Pflegetochter damals zu uns kam, also wie begeistert ich auch war.
00:09:33: Und ich glaube, ein Stück dieser Begeisterung gilt es auch immer wieder, Pflegeeltern weiterzugeben und sie vielleicht auch in schwierigen Prozessen noch mal daran zu erinnern, warum sie eigentlich dieses Kind aufgenommen haben und wie sie sich für dieses Kind entschieden haben.
00:09:50: des Prozesses, was passiert da eigentlich genau?
00:09:52: Das ist eigentlich ein ganz wichtiger Bestandteil so in der Arbeit.
00:09:56: Gerade wenn es um Krisen geht, nochmal genauer hin zu gucken, was passiert, ist es jetzt wirklich das aktuelle Verhalten des Kindes, dass es Probleme hat, eine Beziehung zu pflegen, Probleme in der Schule sich nicht gut was sagen lassen kann, nicht gut Grenzen akzeptieren kann, was auch immer?
00:10:12: oder steckt nicht eigentlich was anderes dahinter?
00:10:15: und da immer den Blick drauf zu richten.
00:10:17: Das ist die spannende Aufgabe eigentlich in Pflegefamilien.
00:10:20: Und wenn das gelingt, dann gelingt in der Regel auch ein Pflegeverhältnis.
00:10:23: Wie war es bei dir am Anfang?
00:10:25: Wie bist du da reingewachsen in dieser Situation?
00:10:28: Welche Voraussetzungen hast du und vielleicht auch deine Pflegetochter mitgebracht?
00:10:33: Also ich war schon beruflich tätig mit Pflegekindern.
00:10:38: Also wir waren die Themen nicht neu und meine Pflegetochter war gut vorbereitet.
00:10:44: Sie war vorher, sie war in Obhurt genommen worden vom Jugendamt und war zwischendurch in einer Heimeinrichtung gewesen.
00:10:50: Sie war schon sieben, als sie damals zu mir
00:10:52: kamen.
00:10:53: Und sie wollte Familie.
00:10:56: Sie hat sich sehr, sehr eine Familie gewünscht.
00:10:58: Und sie war dann auch diejenige, die letztlich den Prozess gesteuert hat, wie schnell es ging, dass sie zu uns kam.
00:11:05: Weil dieser Wunsch nach Familie war so groß bei ihr, dass sie dann, ich weiß noch, wir waren im Schwimmbad.
00:11:11: Und sie rief laut durch Schwimmbad, Mama, Papa.
00:11:15: Das war das erste Mal, dass sie uns so nannte.
00:11:18: Wir haben auch ein bisschen berührt.
00:11:22: Und ich glaube, dieser Prozess ist wichtig, sich aufeinander einzulassen.
00:11:27: Mit der Geschichte, mit den Themen, die da sind, sich aufeinander einzulassen.
00:11:31: Das ist wie in jeder Beziehung.
00:11:33: Wenn man eine Beziehung angeht, lässt man sich auf den anderen Menschen ein.
00:11:37: Egal,
00:11:37: ob auf einen Partner oder ein fremdes Kind in Anführungsstrichen, das dann ins Leben.
00:11:44: kommt plötzlich und plötzlich da ist und man zusammenfinden muss.
00:11:48: Dieses Einlassen auf eine Beziehung heißt auch aufmerksam zu sein, was für Verhaltensweisen zeigt das Kind.
00:11:54: Weil wir wissen nicht unbedingt immer ganz genau im Vorfeld, was hat das eigentlich früher erlebt in der Ursprungsfamilie.
00:12:00: Man weiß immer nur einen Teil.
00:12:02: Und viele Kinder zeigen eigentlich in der Pflegefamilie erst so richtig an ihrem Verhalten, was sie erlebt haben.
00:12:09: Sie wissen es auch selber oft nicht bewusst.
00:12:10: Sie zeigen es am Verhalten.
00:12:12: und da aufmerksam zu sein.
00:12:13: Da will ich ein Beispiel nennen.
00:12:15: Wir standen im Badezimmer vor dem Spiegel zum Zähne putzen.
00:12:19: Ich wollte oben aus dem Spiegelschrank was rausholen und sie zuckte zusammen.
00:12:25: Und dann wusste ich... Ah, ich hatte meine Hand erhoben und sie hatte Angst, dass sie geschlagen wird.
00:12:31: Aha, sie hat Schläge erlebt, sie ist geschlagen worden.
00:12:34: Das war wir uns vorher nicht bewusst.
00:12:36: Es war eine Blackbox für dich tatsächlich?
00:12:39: Ja,
00:12:40: genau.
00:12:40: Und da aufmerksam zu sein und wach zu sein, dann zu gucken, wie gehe ich damit um.
00:12:45: Das sind eben auch Herausforderungen für Fliegeeltern und darauf bereiten wir sie auch vor.
00:12:50: Ich stelle mir das unfassbar schwierig vor.
00:12:52: Wenn ich an mich und meine Familie denke, diesen Schritt dann tatsächlich, zu wagen und den Mut auch zu haben, Pflegefamilie zu werden.
00:13:01: Das stelle ich mir nicht einfach vor.
00:13:02: Und da könnte ich mir auch vorstellen, dass da manche vielleicht sagen, okay, würde ich irgendwie gerne, aber schaffe ich nicht.
00:13:07: Also ich glaube, das ist ganz... eigentlich relativ viele Familien gibt, die diesen Gedanken auch schon mal haben, wenn sie zum Beispiel etwas lesen oder hören oder viele kennen auch dann im Bekannten oder Freundeskreis oder Kollegenkreis Familien, die Kinder aufgenommen haben.
00:13:23: Aber diesen Schritt zu Umsetzung, das ist immer das, wo wir uns wünschen, dass die Familien sich melden.
00:13:29: Und wenn sie dann am Ende oder in den Gesprächen mit uns sagen, sie können uns das nicht vorstellen, sie haben das jetzt reiflich überlegt und können sich nicht vorstellt, ist es ja auch völlig in Ordnung.
00:13:41: Aber es gibt vielleicht auch viele Familien dabei, die diesen Wunsch irgendwo mit sich tragen und die, wo es doch gut gelingen kann, dass sie ein Kind bei sich zu Hause aufnehmen, wenn sie sich diesem Wunsch eigentlich auch stellen, also diesen Gesprächen stellen, diesem Wunsch stellen und dem einfach nachgehen.
00:14:00: Und das sind Familien, die wünschen wir uns, dass sie sich, dass wir die hier haben.
00:14:04: Ja, die Aufnahme eines Kindes ist ja auch, das ist ja nichts, was von heute auf morgen passiert.
00:14:09: Also es beginnt, wir haben meistens immer erst mal ein Gespräch bei uns im Büro auf neutralen wurden, dann in der Familie.
00:14:17: Und dann folgen noch weitere Module der Vorbereitung, wo man eben auch sich immer wieder mit dem Thema auseinandersetzt.
00:14:22: Wie geht es mir gerade damit?
00:14:24: Was sind meine Gedanken dazu?
00:14:26: Traue ich mir das zu so?
00:14:28: und dass die Familien auch wissen immer, dass sie jederzeit eben stoppen.
00:14:33: sagen können in jedem Zeitpunkt der Vorbereitung.
00:14:37: Wir
00:14:38: probieren das
00:14:39: mal aus und
00:14:41: dann genau.
00:14:42: Wirklich ausprobieren dann mit dem Kind, das ist ja natürlich keine Option.
00:14:47: Das soll ja möglichst nicht passieren, dass der Schritt Also, dass die Familien dann möglicherweise erst realisieren.
00:14:53: Oh mein Gott, ich kann das doch nicht.
00:14:55: Was muss denn eine Familie mitbringen, eine Pflegefamilie?
00:14:59: Also,
00:14:59: wenn sie eine sonderpädagogische Pflegefamilie werden möchte.
00:15:02: Und das sind die Familien, die wir im Moment suchen.
00:15:05: Also wirklich
00:15:06: die spezialisierten Familien schon.
00:15:08: Ja,
00:15:09: genau.
00:15:09: Dann sollte eine pädagogische Ausbildung da sein.
00:15:13: Sozialpädagogin, Erzieherin, Erzieher.
00:15:16: vielleicht eine therapeutische Ausbildung, Psychologie, Diplomperdagogik, also im therapeutischen Bereich eine Ausbildung.
00:15:25: Ansonsten braucht die Familie Geduld und Humor, die sollte belastbar sein, ein gutes soziales Netz haben und einfach Freude am Zusammenleben mit Kindern haben.
00:15:36: Ist egal, ob schon Kinder, ob schon eigene leibliche Kinder da sind oder nicht?
00:15:40: Ja.
00:15:42: Beides ist möglich.
00:15:44: Wir achten immer auf einen gewissen Altersabstand, wenn ein Kind vermittelt wird, damit die Kinder innerhalb der Familie sich nicht gegenseitig Konkurrenz machen.
00:15:52: Da gucken wir dran und wir gucken natürlich bei jeder einzelnen Familie ganz genau, welches Kind passt in diese Familie.
00:15:59: Wobei eigentlich suchen wir ja Familien für Kinder und nicht Kinder für Familien.
00:16:04: Aber trotzdem gucken wir ganz genau, was passt, was kann diese Familie leisten, wo sind auch die?
00:16:11: Wo sind aber vielleicht auch die großen Chancen, die dieses Familiensystem mitbringt?
00:16:15: Und manchmal sind Geschwisterkinder, also als leibliche Kinder in einer Familie auch ganz wertvoll für Pflegekinder.
00:16:21: Natürlich gibt es auch da Streit.
00:16:23: Das gibt es auch immer unter Geschwistern.
00:16:25: Und es ist auch ganz bestimmt nicht immer alles immer nur leicht.
00:16:28: Es gibt Themen, die bringen Pflegekinder einfach mit.
00:16:31: Es ist so.
00:16:32: Aber trotzdem kann es eine große Bereicherung auch für eine Familie sein.
00:16:36: Wie sind da die Chancen für euch, dass ihr ... Ein paar dieser Familien findet.
00:16:41: Als wir den
00:16:41: Zeitungsartikel in der Notz hatten, ich weiß jetzt gar nicht, glaube ich, jetzt so drei Monate, drei, vier Monate her, da haben sich dann auch wirklich zehn bis zwölf Familien gemeldet.
00:16:52: Das sind viele.
00:16:54: Genau, ja, das waren viele.
00:16:56: Leider dann
00:16:56: am Ende keine dabei, die wirklich geeignet waren und sich sich dann wirklich vorstellen konnte, um das auch mal in Zahlen zu haben.
00:17:05: Aber wir haben mit allen erst mal ein Gespräch geführt.
00:17:08: Alle, die erst mal den Mut gefasst haben, sich zu melden, haben wir dann erst mal gesagt, dann setzen wir uns erst mal hin und erzählen, bisschen hören, bisschen voneinander.
00:17:18: Zu den Pflegekindern, wie viele gerade warten auf eine neue Familie?
00:17:22: Also das ist ja eher dann in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt, wo die letzte Zahl, die ich gehört habe, heißt, dass in Osnabrück warten eigentlich zehn Kinder darauf, dass eine Familie da ist, die sie aufnehmen kann.
00:17:34: Ja, okay.
00:17:34: Das klingt erst mal nach nicht so viel, aber natürlich dann wieder die geeigneten Familien zu finden und dann auch letztendlich alles zur erfolgreichen Zusammenführung zu bringen.
00:17:47: Das stelle ich mir dann wirklich, wirklich auch von dem, was ihr bis gerade schon erzählt habt, total schwierig vor.
00:17:52: Wir haben jetzt immer so darauf geschaut, was brauchen die Pflegekinder?
00:17:56: Schauen wir mal auf die Seite der Familien noch mal, weil um die geht es ja jetzt auch speziell, weil ihr welche braucht, weil ihr welche finden müsst.
00:18:06: Ein Pflegekind zu sich zu holen ist ja was anderes als ein Kind zu adoptieren.
00:18:11: Vielleicht gibt es später ja noch die Chance, das Kind dann zu adoptieren.
00:18:17: Manchmal ist das möglich, weil ich da informiert bin.
00:18:21: Aber grundsätzlich kann es ja auch sein, dass das Kind nicht die ganze Zeit in meiner Familie dann leben wird, weil er sich mit den ... leiblichen Eltern was verbessert.
00:18:35: Weil es nicht funktioniert und dann ist es wieder weg und dann wird mir mein Herz rausgerissen.
00:18:41: Ich sage es jetzt einfach mal so auf der emotionalen Ebene.
00:18:44: Das ist ja auch wirklich eine krasse Aufgabe dann für die Familien, auch mit dieser Angst zu leben, mit dieser gar nicht so sicheren Situation vielleicht auch.
00:18:54: Oder könnt ihr das jetzt meine Befürchtung ein bisschen entkräftigen?
00:18:58: Ich glaube,
00:18:59: da
00:18:59: gilt es zu unterscheiden zwischen der Bereitschaftspflegefamilie und der Vollzeitpflegefamilie.
00:19:06: Also wir im sonderpädagogischen Bereich bewegen uns einer Vollzeitpflege, da ist es in der Regel schon ziemlich klar, dass die Perspektive des Kindes eben in dieser Pflegefamilie ist, sofern es da dann nicht irgendwann zu Problemen kommt, dass die Familie sagt, das Kind ist so herausfordernd, wir können das nicht schaffen oder dass das Kind sagt, ich halte es hier ich haus aus was für gründen auch immer.
00:19:29: also es kommt niemand von außen der sagt so ich nehme euch x y jetzt wieder weg.
00:19:35: So einfach ist das nicht.
00:19:37: Normalerweise die rechtlichen Rahmenbedingungen, also wie ist es mit dem Sorgerecht, soll das Kind auf Dauer vermittelt werden, ja oder nein, das findet alles im Rahmen.
00:19:48: Normalerweise im Rahmen gerichtlicher Prozesse statt und die finden im Vorfeld einer Unterbringung in der Dauerpflege statt, während der Bereitschaftspflege oder während eines Heimaufenthaltes, sodass man eine eine relative Klarheit hat, dass ein Kind dann auch in einer Familie bleiben soll.
00:20:06: Nichtsdestotrotz kann es Situationen geben, wo auch tatsächlich Pflegekinder selber vielleicht entscheiden, sie möchten zurückgehen in ihre Ursprungsfamilie.
00:20:16: Und nicht immer muss das ein Fehler sein.
00:20:18: Also, wenn tatsächlich die Situation in der Ursprungsfamilie sich deutlich verbessert.
00:20:23: Ich habe einen Jungen, den habe ich jahrelang begleitet, das habe ich erlebt, der ist zurückgegangen und es geht ihm dort gut.
00:20:30: Und da hatte die leibliche Mutter während seiner Geburt, er hat auch das Fitalagor-Syndrom, sie hat also während der Schwangerschaft getrunken, aber sie hatte eine ganz schwierige Lebensphase, war selber noch sehr jung und war gar nicht in der Lage das Kind zu betreuen, auch über Jahre hinweg nicht.
00:20:46: Aber inzwischen ist sie eine erwachsene Frau, hat weitere Kinder und schafft es auch jetzt diesen jungen Mann auch mit zu betreuen.
00:20:54: Das kann auch ein Weg sein und wir sagen immer, jeder Tag in einer Pflegefamilie zählt für das Kind.
00:21:02: Wenn eine Pflegefamilie auseinander geht, betrachten wir es nicht automatisch als Scheitern, sondern muss man ein bisschen genauer hingucken.
00:21:08: Weil jeder Tag, den das Kind stabile Verhältnisse erlebt, eine gesicherte Bindung erlebt, ein gewaltfreies Zusammenleben erlebt, prägt ja auch das Leben des Kindes.
00:21:20: Trotzdem eine Erfolgsgeschichte am Ende, klar, aber kann ja vielleicht auch die Pflegeeltern mit einem kleinen gebrochenen Herzen dann zurücklassen, könnte ich mir vorstellen auch.
00:21:29: Das ist tatsächlich ein schwieriger Prozess, der auch eine intensive Begleitung der Pflegeeltern auch bedeutet.
00:21:37: Das ist auch wichtig, da die Pflegeeltern auch aufzufangen und mit ihnen zu reflektieren, was ist passiert, um sie damit nicht einfach alleine im Regen stehen zu lassen.
00:21:46: Habt ihr außer deine ganz persönliche Geschichte gesehen, habt ihr da noch so Beispiele, die euch total emotional gepackt haben, wo ihr sagt,
00:21:56: wow.
00:21:57: So hätte ich es mir nie vorstellen können, dass es so traumhaft läuft.
00:22:00: Die Voraussetzungen waren wirklich schwierig und am Ende haben wir ein Happy End erlebt.
00:22:06: Also, ich habe ein Beispiel jetzt gerade vor Augen, wo du das so ansprichst.
00:22:10: Ich habe eine Mädchen mit knapp zehn Jahren in eine Pflegefamilie vermittelt, in eine sonderpädagogische Pflegefamilie vermittelt.
00:22:18: Sie ist heute neunzehn, sie lebt noch in der Familie und macht ihre Ausbildung.
00:22:23: Und sie hat ein ganz schwieriges Verhältnis zu ihrer vor allen Dingen, zu ihrer leiblichen Mutter gehabt.
00:22:29: Die Mutter hat sie mehr oder weniger, sag ich mal, abgegeben und hat sich dann einfach nicht mehr gekümmert.
00:22:34: Und darunter hat das Mädchen lange gelitten und wir haben echt gedacht, das wird schwierig.
00:22:38: Und was bedeutet das auch für die Seele eines Kindes, abgegeben zu werden?
00:22:43: Und dann ist irgendwie plötzlich Funkstille.
00:22:44: Ja, ich will mich einfach nicht mehr haben.
00:22:47: Ja.
00:22:48: Und das Mädchen hat sich dann entschieden, ganz bewusst selber entschieden, dass sie sich nicht mehr so verletzen lassen will und dass sie sich als auf die Pflegeeltern, als neue Eltern einlässt in diesem Alter.
00:23:02: Das fand ich ganz... berührend und beeindruckend und sie bleibt bisher bei ihrer ganz klaren Haltung und baut sich gerade so ihr eigenes Leben auf.
00:23:12: Das fand ich eine sehr schöne Entwicklung.
00:23:14: Also auch nochmal so mit Blick darauf, was für Ressourcen kann so ein Kind auch haben, sich zu entscheiden, sich selber für diesen Weg so zu entscheiden.
00:23:22: In dem
00:23:22: Alter schon so eine Grenze dann auch zu setzen.
00:23:25: und sich für sich selbst zu entscheiden, sich dessen so bewusst zu sein, ich bin ein eigener Mensch und ich schreibe meine Zukunft nicht.
00:23:33: Ganz
00:23:33: genau.
00:23:33: Das,
00:23:34: was jemand mit mir gemacht hat.
00:23:35: Wow.
00:23:36: Ja, genau.
00:23:37: Und diese wertvolle Arbeit leistet ihr ja auch im Hintergrund.
00:23:42: Ihr bestärkt die Pflegekinder und die Familien dann die ganze Zeit.
00:23:46: Wenn ich mich jetzt entscheide, Pflegefamilie oder ja, mit meinem Mann zusammen dann eine Pflegefamilie werden zu wollen, dann melde ich mich einfach beim Büro neunvierzig.
00:23:55: Ich ruf euch einfach an und sage, hallo, ich habe Interesse, können wir uns mal unterhalten?
00:23:58: Ja, genau so.
00:23:59: Ganz einfach.
00:24:00: Okay.
00:24:00: Ganz
00:24:01: einfach.
00:24:01: Mailen, wie auch
00:24:02: immer.
00:24:03: Und dann sitze ich da, dann sitze ich in echt da bei euch im Büro und dann unterhalten wir uns erstmal und wir können tausend Fragen stellen, ihr erklärt uns, wie es läuft.
00:24:10: Ganz genau.
00:24:11: Alle Fragen.
00:24:12: Und dann geht das wirklich in Mini-Schritten einfach weiter und man hangelt sich von Termin zu Termin und guckt, ok, können wir weitergehen oder ist hier für uns Schluss?
00:24:21: Klingt so easy.
00:24:23: Ja, und soll es ja irgendwie auch tatsächlich sein, also zumindest der Ablauf denn?
00:24:28: Nur wenn die Familien einfach an Infos kommen und leicht in diesen ganzen Prozess einsteigen können und nur wenn sie Familien dann auch wirklich dran bleiben, sich dessen komplett bewusst sind, was da auf sie zukommt und Gesine und Nina dann auch noch sagen, ja, das passt.
00:24:47: Nur dann darf das Kind ja auch am Ende zur Pflege bei den Familien einziehen.
00:24:51: Also wirklich Ganz, ganz großen Respekt an alle, die sich dafür entscheiden.
00:24:57: Und liebe Gesine, liebe Nina, ich hoffe, es melden sich ein paar.
00:25:01: Ja, du könntest euch jetzt hier auch noch schnell entscheiden, ob du mir ein Feedback geben magst oder nicht.
00:25:06: Einfach hier eine Bewertung abgeben oder eine E-Mail-Tippen an ausnerbrückad.de, dein-minus-stadt-Podcast.de.
00:25:12: Ciao, ciao.
00:25:13: Deine Sarah.
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